Kapitel 1 Bewusstwerdung im Traum

Aktualisiert: 20. Apr.

Meine ersten Erfahrungen mit diesem Phänomen machte ich, als ich noch ein Kind war. Schon damals hatte ich eine klare Erinnerung an meine Träume, und ich kann mich noch heute an viele Träume aus meiner frühen Kindheit detailliert erinnern. Ich kann mich auch daran erinnern, wie ich zum ersten Mal einen Traum aus einem unerwarteten Blickwinkel betrachtete. Ich hatte diesen Traum, als ich elf Jahre alt war. An einem klaren Sommertag kehrten meine Schulfreundin und ich von einer Datscha in der Vorstadt zu mir nach Hause zurück. Im Leben dauert dieser Weg etwa eine Stunde, aber im Traum wurde der gesamte Raum um ein Vielfaches verdichtet, so dass die ganze Reise nicht länger als fünf Minuten dauerte.


Auf einer Datscha gäbe es zum Beispiel in Wirklichkeit fünfundzwanzig Häuser. Im Traum sah ich jedoch nicht mehr als zehn, ein großer Wald in der Nähe sah eher wie ein kleiner Waldgürtel entlang der Straße aus und so weiter. Trotzdem fiel es mir leicht, an diese offensichtlich absurde Realität zu glauben. Ich folgte einfach weiter dem Weg und unterhielt mich mit meinem Freund über irgendetwas, so dass ich keinen Anlass hatte, meine Umgebung in Frage zu stellen.


Als wir schon auf halbem Weg waren, bemerkte ich links von uns eine Eisenbahnlinie, die mir durch ein unpassendes Detail auffiel. In meiner Erinnerung war der Blick auf die Eisenbahn immer durch eine Reihe von Garagen verdeckt, die daneben gebaut worden waren, aber im Traum war an ihrer Stelle ein Feld mit Löwenzahn zu sehen. Es ist möglich, dass der Traum diese Ansicht aus einem Album mit alten Familienfotos oder aus einer, nun ja, unglaublich frühen Erinnerung, die meinem Bewusstsein nicht einmal zugänglich ist, wiedergegeben hat.


Nachdem ich in meinem Traum einige Zeit auf der Straße gelaufen war, wachte mein Gehirn plötzlich unabhängig vom Rest meines Körpers auf. Ich konnte körperlich spüren, wie sich die Windungen in meinem Gehirn durch die Anstrengung verkrampften, mit der es sich abmühte. Im Traum begann ich, meinem Freund ein wenig hinterherzuhinken. Und dann, als ich mich und meine Hände betrachtete, wurde mir klar, dass das alles nur vorgetäuscht war! Dies war nicht die Wirklichkeit, und die Person, die neben mir ging, war gar nicht mein Freund. Bei näherem Hinsehen hatte er kaum Ähnlichkeit mit einem echten Menschen. Die Gestalt war unförmig mit leicht verformbaren Gliedmaßen. Sie schien zu spüren, was mit mir geschah, blieb etwa fünf Meter von mir entfernt stehen und beobachtete schweigend meine Reaktion. Ich war nicht verängstigt, aber ich war verwirrt. Als ich mich umsah, bemerkte ich, dass ich nicht weiter als hundert Meter von dem Ort, an dem ich stand, sehen konnte. Jenseits der vertrauten Straße war nur noch eine vage Leere zu sehen. Selbst die Straße, auf der wir noch vor einer Minute gegangen waren, war verschwunden. Als mir das kleine Ausmaß dieser Welt bewusst wurde, überkam mich ein Gefühl des Grauens. Es erinnerte mich an die Kulissen alter Filme. Aus der Sicht der Kamera sieht alles echt aus, aber wenn man dahinter schaut, sieht man nur, dass die Häuser nur flache Fassaden sind. So war es auch in meinem Traum. Es war, als hätte ich aufgehört, dem Drehbuch des Films zu folgen, und wäre mir etwas bewusst geworden, das ich nicht hätte sehen sollen.


Die Gestalt, mein ehemaliger Freund, schaute mich immer noch neugierig an. Nach einem Moment driftete mein Bewusstsein ab und ich kam in einem völlig anderen Traum an. Jetzt beunruhigte mich nichts mehr. War etwas passiert?


Ich erinnere mich deutlich daran, welch starken Eindruck dieser Traum bei mir hinterlassen hat. Die Einzigartigkeit meines Erlebnisses war mir klar, aber ich hielt es damals nur für einen Zufall. Es erschien mir nicht einmal bemerkenswert genug, um jemandem davon zu erzählen. Stellen Sie sich vor, es ist nur ein Traum, aber in einem Traum ist alles möglich.



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