Kapitel 10. Winterliche Stadt

Ein paar Tage später wurde ich mir in einem Traum wieder bewusst. Ich befand mich auf einer schneebedeckten Straße in einer winterlichen Stadt. Gelegentliche Passanten eilten vorbei, und ich befand mich inmitten einer Landschaft, die aus tristen alten Backsteinhäusern bestand. Um mein Bewusstsein für den Traum zu stärken, betrachtete ich meine Hände. Das war für mich mehr ein Ritual als eine Notwendigkeit, das den Beginn meines luziden Traums markierte. Die Hände waren mit schwarzen Wollhandschuhen bedeckt, was mir sowohl niedlich als auch angemessen erschien, da es ziemlich kalt war. Mir kam der Gedanke, dass es sich vielleicht nicht einmal um die Gegenwart handelte, sondern eher um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Jahrhunderts sein könnte. Das ließ sich anhand des Stils der Häuser und der Kleidung der Menschen und natürlich anhand meiner Fäustlinge leicht erraten.


Ich erinnerte mich daran, dass ich nach einer Nebelwand Ausschau halten musste. Die Wand könnte an den Grenzen dieses Traums liegen, was bedeutete, dass ich die Stadt jetzt verlassen musste. Ich hob ab, genau wie Mama es mir in meinem früheren Traum beigebracht hatte. Ich segelte wie ein Drachen und glitt entlang unsichtbarer Linien parallel zum Boden. Mit Leichtigkeit flog ich zu den Gärten, die den Rand der Stadt bildeten. Unter mir lag ein riesiger Obstgarten, der unter dem Schnee schlummerte. Dieser Garten war offensichtlich alt, aber einigermaßen gepflegt. Ein kleiner Junge von etwa acht Jahren rannte durch den Schnee darunter. Ich verringerte meine Geschwindigkeit und Höhe, um mit ihm zu sprechen.


He, Junge! In welche Richtung muss ich gehen, um die Nebelwand zu finden?


rief ich ihm zu, etwa einen Meter über dem Boden. Er zeigte mit der Hand nach links, wo ich hinwollte. Ich wich aus und ging in die von ihm angegebene Richtung, und bald sah ich sie. Die Mauer trennte die vertrauten Gärten von dem unbekannten Gebiet dahinter. Sie erstreckte sich nach links und rechts, so weit das Auge reichte.


Ich landete direkt davor, und ohne mir die Zeit zu nehmen, Luft zu holen, tauchte ich völlig in sie ein. Wieder einmal fand ich mich in einer endlosen Leere zwischen Schlaf und etwas Unbenanntem wieder. Diesmal war jedoch alles blendend hell. Ich versuchte mich fortzubewegen, aber ich konnte nur mühsam gehen. Nach 5 anstrengenden Schritten verlor ich mein Zeitgefühl...



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