Kapitel 20. Wer hat das Sagen?

Seit ein paar Tagen hatte ich jede Nacht luzide Träume. Mein Interesse lag nicht darin, in meinen Träumen ein bestimmtes Problem zu lösen oder ein Ziel zu erreichen. Ich versuchte einfach, es so natürlich wie möglich zu machen, in diesen luziden Zustand zu wechseln. Und ich wurde von Mal zu Mal besser darin. In den endlosen Szenenwechseln der verschiedenen Träume ging ich irgendwann durch eine andere Tür und befand mich im Innenhof eines kleinen, aber schönen zweistöckigen Barockpalastes.


Sein Erscheinungsbild war von Beige- und Weißtönen geprägt, und die Gesimse waren vergoldet. Im Hof waren Bauarbeiten im Gange, und viele Arbeiter waren mit der Restaurierung des Gebäudes beschäftigt. Sie waren so sehr auf ihre Arbeit konzentriert, dass sie mich nicht bemerkt hatten. Seltsamerweise spielten Snovids in jeder neuen Traumszene wieder dieselbe Rolle und hofften offensichtlich, dass ich die Natur des Traums nicht bemerkte. Ich sagte:


- Ich weiß, dass ich träume.


Die Arbeiter hörten sofort auf zu arbeiten und sahen mich enttäuscht und müde an.


- Kommt mal alle her. Ich möchte reden.


Ich hoffte, einige Fragen stellen zu können und vielleicht etwas Neues über das luzide Träumen zu erfahren. Die Arbeiter umringten mich zögernd, es waren etwa dreißig von ihnen.


- Ich möchte nur Sie und diese Welt verstehen. Hat der Traum Grenzen?


Nur einer von ihnen antwortete:


- Nein.


- Es gibt also keine Grenzen in diesem Traum?


Es gab keine Antwort.


- Erzählt mir von euch selbst, wer oder was seid ihr?


Nur Schweigen. Keiner wollte mir etwas sagen. Alle senkten ihre Augen, als könnten sie meinem Blick aus schlechtem Gewissen nicht standhalten.


Und dann wurde mir klar, was los war.


Sie durften und konnten nicht mit mir reden. Der einzige, der immer auf mich zugekommen war und sich bereit erklärt hatte, mir von der Welt zu erzählen und meine Fragen zu beantworten, war ein ganz bestimmter Snovid. Seine Gefährten waren sozusagen nur "Wächter". Er hatte mir immer gesagt, fast beiläufig, dass ich mit den anderen Snovids nicht über den Traum sprechen sollte:


- Das regt sie auf.


Jetzt war er nicht mehr hier, und sie wollten nicht mit mir kommunizieren.


Was zum Teufel ist hier los? Wer ist er? Erst jetzt sah ich klar, dass das Wesen des Snovid, mit dem ich immer wieder gesprochen hatte, immer dasselbe war. Seine Persönlichkeit, seine Eigenschaften und seine Art zu kommunizieren waren immer dieselben geblieben. Das nächste Mal, wenn ich ihn sehe, muss ich seinen Namen herausfinden, falls er einen hat.




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