Kapitel 23. Absicht

- Hallo, Lesha, schön, dass du vorbeigekommen bist.


sagte Papa zu mir, als ich auf den großen Balkon des Wohnblocks ging. Alle Leute, die ich im Traum gesehen hatte, waren bereits hier versammelt. In der Mitte saß Wolodja auf einem Hocker. Neben ihr saßen Katja, ihre Schwester Tanja, die im Traum Grundstücke für eine Tanzschule kaufte, Wasja, der bald abreisen musste, um in Baikonur einen neuen Film in Kasachstan zu drehen, und meine Schwester mit meinem Vater. Vater fragte:


- Ich verstehe überhaupt nicht, wovon Wolodja spricht. Was ist "Absicht"?


Ich antwortete mit einem breiten Lächeln:


- Das ist ganz einfach. Lass es mich dir zeigen. Ich muss nur kurz proben.


Ich entschuldigte mich und ging zurück ins Treppenhaus, wo ich begann, meinen Kung-Fu-Schlag zu üben. Mit dem Ellbogen an der Seite schloss ich meine Hand zu einer Faust. Instinktiv hatte ich gespürt, dass die physikalischen Gesetze an diesem Ort anders waren als in der wachen Welt, und dass es schwierig sein würde, einen guten Schlag zu landen. Die Luft im Traum ist dichter, fast wie Wasser, so dass man mit viel Widerstand rechnen muss.


Zufrieden mit meiner Probe, ging ich wieder auf den Balkon hinaus.


- Papa, so kannst du nicht richtig zuschlagen.


Um das zu beweisen, führte ich einen Schlag in der Luft vor. Er war schwach und schmerzhaft langsam.


- Wenn du wirklich zuschlagen willst, brauchst du Absicht. Absicht ist ein bisschen wie Willenskraft, ein Antrieb oder ein Wunsch, etwas zu erreichen. Schau genau hin!


Ich ging in den Pferdestand mit gebeugten und weit gespreizten Knien. Langsam ausatmend legte ich die erhobenen Handflächen vor mir zusammen.


- Bevor man zuschlägt, muss die Absicht zuzuschlagen vorhanden sein. Erst dann kann die Absicht in die Tat umgesetzt werden.


Ich konzentrierte mich auf meine Hände und führte einen schnellen und präzisen Schlag aus.


Die Demonstration war ein großer Erfolg. Alle auf dem Balkon schienen sehr zufrieden zu sein.


- Siehst du, Papa? Das ist es, was "Absicht" bedeutet: eine bewusste Herangehensweise an jede Handlung, eine Konzentration auf die Handlung, lange bevor sie geschieht. Die Absicht hilft uns, die Welt klarer und lebendiger zu erleben.


Nachdem ich diese Worte gesprochen hatte, hob ich meine Hände mit beiden Handflächen in Richtung Himmel, die Finger aufgefächert, als ob ich Platz für den Energiefluss schaffen wollte. Plötzlich wurde ich mir der feinen Poren in meinen Fingerspitzen bewusst, die ein schwaches Leuchten von Energie auszustrahlen schienen. Erst jetzt begann ich zu verstehen, was geschehen war. Dies war eine wunderbare Lektion gewesen.




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